
Elon Musk hat OpenAI, dessen CEO Sam Altman, Präsident Greg Brockman und Microsoft auf Schadensersatz in Höhe von bis zu 134 Milliarden US-Dollar verklagt. Er wirft dem KI-Unternehmen vor, von seiner ursprünglichen gemeinnützigen Mission abgewichen zu sein und stattdessen eine kommerzielle Ausrichtung verfolgt zu haben. Der Prozess vor einem Bundesgericht in Oakland, Kalifornien, hat die Schlussplädoyers hinter sich; eine neunköpfige Jury berät derzeit.
Hintergrund der Klage
OpenAI wurde 2015 von Musk und anderen Mitgründern als gemeinnützige Organisation ins Leben gerufen. Ziel war die Entwicklung künstlicher Intelligenz „zum Wohle der Menschheit“ – sicher, transparent und möglichst open-source. Musk steuerte damals rund 38 Millionen US-Dollar bei, was etwa 60 Prozent der frühen Seed-Finanzierung entsprach. Er half zudem beim Recruiting, beim Aufbau von Kontakten und verlieh dem Projekt Glaubwürdigkeit. 2018 verließ er den Vorstand.
In den Folgejahren wandelte sich OpenAI: Es führte ein „capped-profit“-Modell ein, ging eine enge strategische und finanzielle Partnerschaft mit Microsoft ein (Milliarden-Investitionen) und entwickelte kommerzielle Produkte wie ChatGPT. Heute ist das Unternehmen hoch bewertet (teilweise über 500–850 Milliarden Dollar in Schätzungen) und bereitet möglicherweise einen Börsengang vor. Musk selbst gründete 2023 mit xAI einen direkten Konkurrenten.
Die Forderungen im Detail
Musk stützt seine Klage vor allem auf ungerechtfertigte Bereicherung (unjust enrichment) und Verletzung des gemeinnützigen Treuhandverhältnisses (breach of charitable trust). Ein von ihm beauftragter Wirtschaftsexperte (C. Paul Wazzan) beziffert die „wrongful gains“, die OpenAI durch Musks frühe Beiträge erzielt haben soll, auf 65,5 bis 109,4 Milliarden Dollar. Microsoft soll durch die Partnerschaft zusätzlich 13,3 bis 25,1 Milliarden Dollar profitiert haben.
Wichtig: Musk hat klargestellt, dass er keinen Dollar für sich selbst beansprucht. Etwaige Schadensersatzzahlungen sollen direkt an die gemeinnützige OpenAI Foundation fließen. Zusätzlich fordert er strukturelle Änderungen bei OpenAI, darunter möglicherweise den Rückzug von Sam Altman aus Führungspositionen.
Der Richter hat die ursprünglich breiteren Vorwürfe (u. a. Betrug) eingegrenzt; übrig blieben vor allem die Ansprüche wegen ungerechtfertigter Bereicherung und Verletzung des gemeinnützigen Status. Microsoft wird vorgeworfen, die Abkehr von der Non-Profit-Mission unterstützt zu haben.
Aktueller Stand des Verfahrens
Nach mehrwöchiger Verhandlung mit Zeugenaussagen – darunter auch Musk selbst – haben die Anwälte beider Seiten ihre Schlussplädoyers gehalten. Musk-Anwalt Steven Molo betonte, Altman und Brockman hätten „eine Wohltätigkeitsorganisation gestohlen“. OpenAI weist die Vorwürfe zurück und spricht von einer „Belästigungskampagne“ aus Ego und Konkurrenzdenken. Das Unternehmen argumentiert, die Weiterentwicklung sei notwendig gewesen, um die enormen Rechenressourcen für moderne KI zu finanzieren, und die Non-Profit-Struktur kontrolliere weiterhin den for-profit-Teil.
Die Jury berät nun. Ein Urteil könnte OpenAI zwingen, Strukturen anzupassen, die Microsoft-Partnerschaft beeinflussen oder weitreichende Präzedenzfälle für die Governance von Non-Profit-Organisationen im Tech-Bereich schaffen.
Einordnung und mögliche Auswirkungen
Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie verbindlich sind Gründungsmissionen gemeinnütziger Organisationen, wenn diese später kommerziell erfolgreich werden? Welche Rechte haben frühe Unterstützer bei „Mission Drift“? Und wie wirkt sich das auf die KI-Branche aus – insbesondere auf den Wettbewerb zwischen OpenAI/Microsoft und Musks xAI?
OpenAI und Microsoft bestreiten die Schadensberechnung als spekulativ und unzuverlässig. Musk sieht in der Entwicklung einen Verrat an den ursprünglichen Idealen und eine Gefahr für das Vertrauen in philanthropische Projekte insgesamt.
Der Ausgang ist offen. Sollte Musk obsiegen, könnte das weitreichende Folgen für OpenAI, die Microsoft-Allianz und die rechtliche Bewertung hybrider Non-Profit/For-Profit-Strukturen in der Tech-Industrie haben. Ein Sieg für OpenAI würde die aktuelle Entwicklung stärken und Musks Vorwürfe als unbegründet abtun.
Der Prozess ist eines der prominentesten Beispiele für die zunehmende Rivalität und die grundlegenden Debatten um Kontrolle, Sicherheit und Kommerzialisierung fortschrittlicher KI.